Konzentration ist alles
„Jetzt schließe deine Augen, atme bewusst ein und aus. Denke bei jedem Atemzug daran, wie lebendig alles durch ihn wird. Beruhige und vertiefe deinen inneren Rhythmus durch gezielt tiefes und konzentriertes Luftholen. Und jetzt stell dir vor, dass mit jedem Einatmen nicht nur Luft in deine Lunge strömt, sondern auch deine magische Kraft erneuert und vertieft wird. Genau so.“ Nach einigen Minuten Stille fuhr sie fort. „Nun ist dein ganzer Körper geladen mit lebendiger Magie. Doch wie beim Atmen musst du auch irgendwann wieder die Kraft ausstoßen, nach Möglichkeit nicht zu lange warten damit. Und jetzt errichte mit deinen Gedanken einen Kanal für deine Magie, der nach draußen führt. Öffne die Schleusen und lass deine Kraft hinaus strömen, stell sie dir als sprudelnden Wasserstrahl vor.“
Abrupt schlug ich meine Augen auf, erschrocken durch das sanfte Plätschern von Wasser. Dort, kaum eine Hand breit von meiner Brust entfernt, entsprang ein kleiner Wasserstrahl aus dem Nichts. Das erste Mal, das ich meine Magie richtig gesteuert hatte. Ein überwältigendes Gefühl… gepaart mit großer Müdigkeit. „Es ist anstrengend, nicht wahr? Doch du wirst dich daran gewöhnen, Marlea, und diese Abgespanntheit wird mit der Zeit nach dem Ausüben von Magie gänzlich verschwinden. Jetzt leg dich einen Moment hin, ruh dich aus. Ich bin stolz auf dich, meine Tochter!“
Wie lange ich anschließend geschlafen habe, kann ich nicht sagen. Es musste wohl gerade Mittag sein. Doch was hatte mich geweckt? Meine Augen ließ ich weiterhin geschlossen. Ich konzentrierte mich wie beim letzten Mal, doch diesmal entlud ich meine Magie nicht in Form von Wasser, sondern lauschte und ließ meine Kraft durch den Raum rauschen, um den Eindringling mit ihr aufzustöbern. „Vanissa! Schön dass du endlich da bist!“ Ich sprang auf und meiner Freundin entgegen. „Woher wusstest du, dass ich es bin?“, fragte sie sie mich verwundert. Doch ich grinste nur fröhlich und antwortete mit einem „Erzähl ich dir später.“
„Mehr kann ich dir nicht beibringen, Marlea. Doch ich will dich geschützt wissen und so gebe ich dir das Mächtigste, was in meinen Besitz ist.“ Meine Mutter fuhr mit der Hand über eine Stelle in der Luft. Langsam löste sich ein schwerer Beutel aus der Umgebung, der von meiner Mutter aufgefangen wurde. Anschließend gab sie ihn mir in die Hand, wobei ihre Fingerspitzen sanft meine Handinnenfläche streichelten. „Öffne den Beutel erst, wenn du dich außerhalb des Bannkreises befindest, der Arbassa umgibt.“ „Wie werde ich wissen, dass ich diesen verlassen habe?“ „Du wirst es spüren. Bei jedem macht es sich anderes bemerkbar, doch dein Herz wird es wissen.“ Bedrückt schwieg ich. Doch dann kam mir eine Idee. „Kannst du es mir nicht in dieser Gedankenrede mitteilen? Auf meinem Weg hierher hat es doch auch geklappt…“ „Nein, dies ist nicht möglich. Jeder halbwegs ausgebildeter Magier kann unsere Gedankenverbindung spüren. Ich habe die Verbindung bereits getrennt… Mach dir keine Sorgen, Tochter. Du bist viel stärker –körperlich und seelisch- als du glauben magst. Denn tiefe Kraft ruht in dir, frisch erweckt. Sie wird wachsen und dich schützen. Lebe wohl. Llen dòn.“
„Was bedeutet das?“
„Du wirst es herausfinden.“
nach oben
|