Rätsel

 

Ich kauerte am Ufer eines Baches und trank begierig. Neben mir hockte Vanissa, eine Waldsingaron. Sie war in den letzten 1 ½ Jahren meine Herzensfreundin geworden. Mein stiller Schatten und Begleiter. Doch reden brauchten wir nicht viel. Wir verstanden uns ohne Worte.
Es war eigentlich seltsam ironisch. Bei der Gemeinschaft des Ganzen war es Brauchtum, dass jeder Priester und jede Priesterin einen Begleiter hatte. Dies sollte die Verbundenheit der Völker demonstrieren. Doch erfolgreich? Ich zweifelte ehrlich daran. Denn hatte nicht sogar Hohepriesterin Rhianon der Gemeinschaft entsagt?
Ich trug sogar ein wenig Magie in mir, dass war sicher. Als ich das erste Mal mit meinen Kräften konfrontiert worden war, hatte ich mich im Schatten eines riesigen, uralten Shanasbaumes ausgeruht, doch plötzlich hatte die Erde begonnen zu beben und der Baum hatte mit seinen Wurzeln den Halt im Boden verloren. Er hätte mich erschlagen, aber in den mit Todesangst gefüllten Schreckenssekunden riss eine fremde Macht in mir meine Hand empor. Gebieterisch und schutzbefehlend. Meine Zunge rollte sich und stieß ein mir unbekanntes Wort aus. Und der Baum richtete sich wieder auf, seine Wurzeln fanden wieder festes Erdreich, dass Beben verstummte, doch nur in meiner näheren Umgebung. Anschließend verlies die Macht mich wieder, doch ein winziges Stück blieb in meinem Herzen zurück. Ich brach zitternd zusammen. So habe ich auch Vanissa kennen gelernt. Sie hatte sich mit ihrer Sippe im Inneren des Baumes eingeniestet gehabt, und wäre gestorben, hätte ich nicht…Ja was eigentlich? Gezaubert?
Etwas in der Art musste es gewesen sein, doch, nein, unmöglich. Die Sippe der Eopia war untergegangen. Nur sie hatte durch Merlins Erbe die Fähigkeit gehabt, Magie zu steuern. Vielleicht gehörte ich ja einer neuen, nicht im Buch der Arten verzeichneten Rasse an.
Ich stieß ein leicht belustigt klingendes, doch ungläubiges Schnauben aus. Vanissa sah mich fragend an. „Ich habe gerade an den Tag unserer ersten Begegnung zurück gedacht. Darüber; was geschehen ist. Und vor allem, was ICH gemacht habe.“ „Es ist sinnlos. Du wirst nie eine Antwort auf diese Frage finden, wenn du nur nachdenkst und nicht selber los ziehst.“ „Ich weis. Aber es ist so irreal, dass ausgerechnet ich anscheinend Magie beherrsche. Ich die kleine Waise, Tochter des Waldes…“ „Was ist daran irreal? Viele Geschöpfe beherrschen ein gewisses Etwas Magie. Selbst ich kann mit einigen einfachen Zaubern schnell die reifsten der Beeren finden.“ „Ich weis. Vielen Arten ist solch eine Gabe gegeben. Doch ich bin ein Mensch!“ „Bist du dir ganz sicher?“ „Natürlich. Sieh mich doch an. Ich habe keine spitzen Ohren, bin nicht durchsichtig wie du und trage auch keine Flügel.“ „Ja, aber zählt nur die Hülle? Kann man nicht einen Jalenk-Käse in einer Tulk-Haut verkaufen?“ „Ach, es ist sinnlos. Mit dir kann man einfach nicht diskutieren!“
Ein Grinsen von Seiten der Waldsingaron. „Och, ist die arme Marlea überfordert? Nein, nicht doch, du solltest dich wirklich ausruhen.“ „Nein ich werde mich jetzt nicht ausruhen! Wir sollten dringend weiterziehen, wir sind spät dran. Dein Freund Malenk wird sich schon Sorgen machen wo wir so lange bleiben“, stichelte ich. Mit Erfolg. „Hey, er ist nicht mein Freund!“ Plötzlich klebten mir ein paar überreife Beeren im Gesicht. „Miststück! Aber was soll’s, lass uns endlich aufbrechen.“

 



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