Hallo nochmal!

Vielleicht habt ihr schon bemerkt, dass ich eine sehr rege Fantasie habe. Wenn nicht, erfahrt ihr es jetzt... Dass heißt unter anderem, dass ich auf meiner Homepage mehrere zum Teil unbeendete Geschichten hochlade.

Hier die erste von ihnen, beendigt:

Inhaltliche Angabe und Vorwort

Eine junge Frau kämpft mit ihrem Leben. Sie stiehlt ein leeres Tagebuch und schreibt ihr Leben nieder. 
In dieser Geschichte heiße ich keinesweg ihren Mord und Suizid(Selbstmord) gut!  Das ganze ist in knapp 3 1/2 Stunden entstanden, Spielt im spätem 18. Jahrhundert


 

Denn Bücher reden nicht

Du lagst vor mir. Vor meinen Händen. Ich besann mich kaum, wie du Deinen Weg unter meine Schürze gefunden hattest. Doch das war egal. Das einzige was zählte war, dass du da lagst, auf meinem Tisch, kaum so zu nennen, in meiner kleinen Kammer. Nein, nicht einmal meine Kammer, sie gehörte mir nicht. Es gab nichts, was mir gehört, nicht einmal du tatest es. Doch das war egal. Ein verlockender Duft nach kostbarem Pergament umgab dich und auf einmal wusste ich, weshalb du zu mir gekommen warst. Ich würde, nein musste es endlich jemanden erzählen, jemanden, der mich nicht unterbrach. Denn Bücher reden nicht.

Vielleicht… Ich weiß nicht wie ich beginnen soll. Ich habe von großen Gelehrten gehört, Männern, die Bücher schreiben, um Geld zu verdienen, reich zu werden, ihnen fällt erzählen und berichten leicht. Doch ich denke, dass ist nicht das selbe. Ich will nicht irgendeine Geschichte erzählen, nein ich lege mein Leben in deine rauen Seiten. Ich weiß, es ist unwert, erwähnt zu werden, ich dürfte nicht hier sitzen, nicht schreiben können, nicht leben, doch das ist egal. Denn ich weiß, dass du mir zuhörst. Mich nicht unterbrichst. Mir keine Vorwürfe machst. Mich nicht belehren willst, wie es besser gewesen wäre. Du wirst einfach zuhören, zuhören müssen, denn Bücher reden nicht. Und jetzt weiß ich, wie ich beginnen werde. Nein, mein Name ist es nicht wert, erwähnt zu werden, es wäre eine Schande, mit ihm deine makellosen Seiten zu verunreinigen. Ich werde dir lieber erzählen, wie ich zuvor gelebt habe. Wer meine Eltern waren und vor allem, welcher Fluch meiner Taten nun auf mir liegt. Doch ich wollte beginnen. Verzeihe mir, wenn ich ins plappern gerate, denn mit anderen spreche ich nie. Andere können nicht schweigen, ihre Zungen springen wie ein kalter Bach nach der Schneeschmelze. Doch ich komme erneut von der Schande ab, der ich nicht ins Auge zu blicken vermag. Nun, ich sollte endlich beginnen. Nicht länger unnützes Zeug schreiben, dass mir in seinem Sinn so gleicht. Ich sollte von vorne anfangen, von ganz vorne. Meine Mutter war eine der Frauen, die ihren Körper für Geld verkaufen. Ich schäme mich, doch dieses Vergehen meiner Ahne ist noch der geringste Teil meines Fluches. Mein Vater, er möge in der Hölle verderben!, er trieb meine Mutter zum Dirnentum, er, ihr bester Freund, tat es in den Jahren ihrer beider Jugend!  Du fragst dich bestimmt, warum er dann mein Vater ist, doch ich werde dir auch dies berichten. Mit der Zeit… Nein! Heute noch sollst du es erfahren. Er, diese Möchtegernbürgerliche, der scheinheilig mit einem jungen Ding von hohem Stande zusammen in einer Ehe lebte, ging zu meiner Mutter, oh, hätte es Gott verhütet! und  schlief mit ihr, selbst am geheiligten Sonntage! Meine Mutter trifft keine Schuld, nein, nicht wirklich, die Armut trieb sie, machte sie abhängig von den Begierden der Männer. Und irgendwann, wäre im vorher der Schwanz abgefallen!, entstand aus dem heimlichen Laster meines Vaters, des Ehebruchs, nun, ich…
Ich werde weiter berichten, ja, gewiss, den wenn einmal der Damm geöffnet, brodelt das Wasser aus ihm hinaus, unaufhaltsam, gnadenlos. Doch vorerst werde ich mich zu Bett legen… Ich muss dich verstecken, du gehörst mir nicht, ich bete zu Gott, dass nie, nie bis zum heiligen Tag der Wiederkunft unseres Herrn dich jemand finden wird. Nun, gute Nacht, die Dunkelheit hülle dich in Schatten und nehme dir deine Schmerzen.
 

Ja, ich werde dir nun weiter erzählen, was danach geschah, so gut ich es vermag. Er kam weiter zu ihr, dieser Sohn eines räudigen Hundes, schlief mit ihr. Doch meine Mutter sorgte für mich, mehr schlecht als recht, doch sie sah es als ihre Pflicht an, hungerte, damit ich zu essen hatte. Auch wenn sie mich nicht übermäßig liebte. Möge sie schon heute in der Ewigkeit Frieden finden!, sie hat es verdient… Als ich meinen vierten Sommer erlebte, da hielt sie es nicht mehr aus. Sie nahm mich mit, stieg heimlich über Nacht in das protzige Haus meines Vaters ein. Was sich danach abspielte habe ich so deutlich wie kaum etwas anderes im Gedächtnis, abgesehen von jenen verhängnisvollen Tag, auch dies werde ich dir berichten, zumindest habe ich das vor. Diese Erinnerung über das Ableben meiner Mutter werde ich nun mit dir teilen, auch wenn du nur aus schwerem Pergament bestehst. Denn du bist mir lieb geworden, hinweg über letzte schlaflose Nacht.
Nun, die Sonne sandte ihre letzten blutroten Strahlen durch die Scheiben des Hauses, meine Mutter schritt wehenden Haares energisch aus, wie lange nicht mehr zuvor. Sie war krank gewesen letzten Mond. Doch sie war immer eine Kämpferin gewesen. Ihre zerfallenen Lumpen hatten ihren mageren, doch schönen Körper liebevoll umspielt. Eine letzte Huldigung des Lebens einer gefallenen Königin vor dem Tode. Sie war die Treppen hinaufgestürmt, hatte meinen Vater und seine Gattin beim Dinner unterbrochen, beide angeschrieen. Hatte ihm die Wahrheit vorgehalten, wie ein blutiges Schwert, seiner fassungslosen Ehefrau von seinen Besuchen bei ihr erzählt. Doch plötzlich war die Krankheit, von der meine arme Mutter so lange umklammert gehalten wurde,  wieder hervorgebrochen. Hatte sie zu Boden gerissen. Sie zitternd gemacht. Ihr die Luft zum Atmen genommen. Sie, die Heldin meiner Kindheit war vor meinen eigenen Augen gestorben, unwiderruflich, endgültig. Kalt hatte sie wenige Stunden später dagelegen, ich immer noch hoffend auf ein Lebenszeichen versucht, sie mit meinen winzigen Körper zu wärmen. Vergeblich. Nein, ich kann nicht weiterschreiben, verzeih mir. Denn meine Hand zittert. Erzittert wie mein Herz, doch…
Es ist spät geworden. Die Herrin wird fragen, warum mein Verbrauch an Kerzen so gestiegen ist. Ich muss sparsam sein. Bei Tageslicht werde ich mich wieder so weit gefasst haben, um weiter zu berichten. Also verbringe die Nacht selig ruhend im Schoße des Allmächtigen. Schlafe ruhig.
 

Oh, vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte nicht begonnen, zu schreiben, zu erzählen, was mich quält. Doch es lässt sich jetzt nicht mehr ändern. Nun, meine Mutter war tot. Hatte mich allein zurückgelassen. Ich mache ihr keinen Vorwurf, möge sie ihren Frieden gefunden haben. Und scheinheilig, wie dieser Bastard von Vater war, spielte er den Gütigen, nahm mich mit einen durchtriebenen Lächeln auf, dieser Verräter. Doch nicht liebevoll oder sanft war seine Hand mir gegenüber, nein, er behandelte mich, als wäre ich eine der niedersten Diener! Lies mich in einer winzigen Kammer wohnen, ähnlich dieser, in der ich mich befinde zum Zeitpunkt. Doch was meine Wut, meinen Hass, nur noch zu steigern vermochte, geschah. Er zeugte mit seiner Frau ein Kind und liebte es, behandelte es wie eine Prinzessin, wie seine Herrscherin! Oh, das Leben muss mich hassen, nie schenkte es mir etwas Gutes… Zu allem Überfluss, behandelte dieses Gör, meine Halbschwester, allein sich vorzustellen, mit ihr verwandt zu sein, ist schon schlimm genug, nun, sie hatte sich das Verhalten ihres Vaters mir gegenüber gut abgeschaut. Behandelte mich wie Abschaum… mein Hass wuchs, von Stunde zu Stunde, Tag zu Tag, Woche zu Woche, Mond zu Mond,… und ich wusste auf einmal was ich tun musste. Diese Tat würde mich befreien, meine Fesseln sprengen! Würde meinen Hass tilgen, mich erlösen. Ja, es war ein Genuss, das Wissen um die Zukunft derer, die ich hasste! Lange würden sie mich nicht mehr quälen! Ich plante, akribisch und wie besessen. Stahl den Dolch der Ziehmutter, das es ein teures Stück war, störte mich nicht im Geringsten. Und, Gott möge mir verzeihen, denn ich war im Recht, schlich mich in das Gemach meiner, wie soll ich sie anders nennen?, Schwester. Es war abends, ich sehe es noch ganz genau vor mir. Die Dunkelheit hatte sich schon über das Gelände gelegt, alle schliefen. Als ich die Tür knarrend schloss, wachte das Mädchen auf, sah mich zuerst verwirrt an. Ihre Augen wanderten zu dem Dolche in meiner Hand und sie verstand, die Verwirrung wich Erkenntnis, Entsetzen, Panik. Ich genoss die Angst in ihren Augen, sie öffnete den Mund um zu schreien, vermochte es nicht, die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Ich ging näher an ihr Bett. Taumelte vor Vorfreude. Stach zu. Direkt in ihre Brust. Ein Japsen nach Luft oder vor Schmerz entfuhr dieser Verräterin, sie hatte mir die Liebe meines Vaters gestohlen. Es war das letzte Geräusch, welches ich von ihr hörte. Warmes Blut rann über meine Hände. Verlies ihren Körper, floh vor ihr. Liebkoste meine Unterarme. Alles war voller roter Lebensflüssigkeit. Und Erleichterung, Freude, Glück und etwas anderes, blutrünstiges, durchfloss meinen Körper. Wusstest du, wie viel Blut in einen Menschen steckt? Nein, woher auch, du bist nur ein Buch, das ewig am gleichen Ort bleibt, nicht reden kann. Doch ich sage dir, es war eine Menge Blut! Und ich war glücklich, endlich frei…
Wie lange ich versunken da saß, an ihrem Bette, in ihrem Blut, vermag ich nicht zu sagen. Den Dolch habe ich aufbewahrt, bis jetzt. Bevor der Morgen graute, floh ich. Ich war frei! Vogelfrei.

Das ist alles, meine Geschichte. Warum ich sie erzählen musste? Ich weiß es nicht, kann es nicht beantworten. Vielleicht um mich Gott gegenüber besser zu fühlen, vielleicht war es meine Beichte. Aber das ist egal. Ich weiß, dass du schweigen wirst, über das Unsägliche. Aber langsam erwacht in mir die Frage: Was hast du mit mir gemacht? Du hast zugehört, mich damit zum Reden gebracht. Du hast mir keine Vorwürfe gemacht, mich damit zum Nachdenken gebracht. Und langsam erkenne ich die Wahrheit hinter meinen Worten. Es war Mord. Nein, meine Schuld ist zu groß. Ich kann und will mit meiner ewigen Sünde nicht mehr weiterleben. Mit einem letzten Vergehen will ich aus dem Leben scheiden, die Verantwortung ablegen. Den Dolch habe ich noch…

Lebe wohl, schweige ewig
Eine Verfluchte
 

 

--------------------------------------

Ihr könnt ruhig Kommentare im Gästebuch hintelassen, darüber freue ich mich immer... 

 

 



nach oben



nPage.de-Seiten: schreibefeder und ihre Texte | Autorenpage Sabine Kurz, Leseproben